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Victor Sloan: Walk at Toskanische Saulenhalle,
Augsburg, Germany.

Victor Sloan - Still III, Walk
Lange vor dem Beginn des nordirischen
Friedensprozesses zeigten nordirische Künstlerinnen und Künstler,
dass es möglich ist, der Spaltung der nordirischen Gesellschaft
entgegen zu wirken und Voraussetzungen für ein friedliches
Miteinander zu schaffen. Einer der renommiertesten dieser Künstler
ist der in Portadwon lebende Fotograf Victor Sloan, dessen Werke
weltweit ausgestellt wurden. Im Jahre 2001 zeigte die Ormeau Baths
Gallery in Belfast eine Retrospektive seiner zwischen 1980 und 2000
entstandenen Arbeiten.
Bei den Gesprächen, welcher nordirische Künstler in
diesem Jahr nach Augsburg zu einer Ausstellung eingeladen werden
könnte, die in das kulturelle Programm zur Erinnerung an den
Augsburger Religionsfrieden von 1555 eingebettet ist, fiel
zuallererst der Name Sloan.
Sloan begann seine Künstlerlaufbahn als Maler. Erst
1981 fing er an, sich von der abstrakten Malerei zu lösen und sich
systematisch der Kamera zu bedienen. Die Fotobearbeitung durch
Zerkratzen, Be- oder Übermalen der Negative oder Manipulation der
Abzüge wurden zum Sloanschen Markenzeichen. Zu seinem zusätzlichen
Handwerkszeug erkor er Klinge, Nadel, Bürste und Bleichmittel. Sloan
ließ Bildteile verschwinden, hob andere hervor oder markierte sie,
legte zwei Negative zur Belichtung übereinander.
Der Künstler misstraut der Objektivität der Kamera
sowie ihrer Neutralität, die eine trügerische ist. Er verlässt das
fotografische Terrain von Ehrlichkeit, Wahrheit und Authentizität.
Victor Sloan hat seinen Blick immer wieder auf die
politischen und kulturellen Verhältnisse in Nordirland gerichtet,
sich mit der Historie auseinandergesetzt und seine im Kontext der
protestantischen Bevölkerungsmehrheit gesammelten Erfahrungen
verarbeitet, ohne irgendeiner Ideologisierung zu verfallen. Jeder
seiner Kratzer, jede Markierung auf einem Negativ, jede Übermaluung
eines fotografischen Abzugs diente stets der Hinterfragung der
eigenen Geschichte und Identität. Diese wiederum ist zwingende
Voraussetzung für ein zukünftiges friedliches Zusammenleben der von
jahrhundertelanger Spaltung geprägten nordirischen Communities.
Sloans Stärke ist die Fähigkeit, lokale Aspekte in
einen universalen Kontext zu transzendieren und zu zeigen, wie die
Vergangenheit die Gegenwart durchdringt. Die Vergangenheit sieht er
dabei durchaus als globale und – ausgehend von der nordirischen
Geschichte – als eine des Krieges. Ein Konzept, das auf
Sensationelles aus ist oder Fotos als Waffen sieht, ist Sloan völlig
fremd. Ihm geht es vielmehr um die Details, auf die er den
Betrachterblick lenkt.
Ob Sloan auf einem verlassenen Stützpunkt der Roten
Armee fotografiert, ob er in Berlin Spurensicherung treibt und sich
mit der nationalsozialistischen Monumentalarchitektur
auseinandersetzt oder ob er sich an seinem Wohnsitz Portadown mit
der Kamera umsieht, stets geht es ihm darum, die Vergangenheit
auszugraben. Nur dadurch kann sie irgendwann tatsächlich vergehen.
Die abstrakten Bildkompositionen seiner im Jahre 2000
entstandenen Portadown-Serie zeichnen sich durch eine
aussergewöhnliche Farbigkeit aus. Sie handeln davon, so Sloan, wie
schön die Situation sein könnte.
Der Ausstellungstitel WALK ist mehrdeutig. Eine frühe
Fotoserie von Victor Sloan, mit der er sich mit den Märschen des
Oranierordens auseinandersetzte (dessen Mitglieder statt des zu
militärisch klingenden march (Marsch) lieber von einem
walk (Spaziergang) sprechen), trug den Titel: The Walk, the
Platform and the Field. Seine jüngste Arbeit – ein eigens für die
Augsburger Ausstellung fertig gestellter 30minütiger Videofilm –
trägt den Titel WALK. Darin finden sich die Oranier gespiegelt, sie
marschieren und spazieren aufeinander zu, nur um sich auf einer
Mittelachse in den Himmel zu verflüchtigen. Sloan verweist mit
diesem Film darauf, dass sich die ohnehin archaisch anmutenden
Rituale der Oranier erschöpft haben, auch für sie. Der Künstler
spricht von einer weariness (Ermüdung). Walk ließe sich hier
übersetzen mit wandeln, abtreten oder Beine bekommen.
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27.7. - 26.9.2004, Di / Mi / Fr / Sa / So 11 - 18
Uhr, Do 11 - 20 Uhr,
Toskanische Säulenhalle im Zeughaus, Augsburg
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Kulturbüro Leiter:
Thomas
Weitzel |
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